Schluss mit dieser Toilettentaktik!

ein Kommentar von Hans-Jürgen Graf

Nürnberg, den 14. Dezember 2009

Mit Beethoven gegen Bettler

Berliner Verkehrsbetriebe wollen durch Dauerbeschallung Drogenabhängige und Obdachlose vertreiben. Kritik von Händlern und Selbsthilfegruppen

von Christian Linde

tituliert die „Junge Welt“ ihren Bericht über ein Vorhaben der Berliner Verkehrsbetriebe, das wiederum ein deutliches und unmissverständliches Zeichen von menschenverachtender und erbarmungsloser Konzernpolitik ist. Langsam aber sicher dürfte bald jedem, der auch nur ein wenig Mitgefühl in sich trägt, die Hutschnur reißen oder sonstiges platzen, ob der immer wieder von Konzernen und Politikern gesetzten Zeichen an Menschenverachtung und erbarmungsloser Geschäftspolitik in den letzten Tagen, Wochen, Monaten und Jahren.

Die Berliner Verkehrsbetriebe möchten, so schreibt die Tageszeitung aus Berlin, durch Dauerbeschallung mit klassischer Musik Drogenabhängige und Obdachlose vertreiben. Man stelle sich einmal dieses pseudoelitäre Denken dieser Obertrambahnfahrer vor. Für diese scheint klassische Musik nur etwas für den „bürgerlichen Charakter“ zu sein? Ich möchte nicht wissen, wieviele unter deren Feindzielgruppe selbst klassische Musik in irgendeiner Form mögen. Ganz zu schweigen davon, dass Beethoven, Wagner, Mozart und wie sie alle heißen, ihre Musik ganz sicher nicht für solche Zwecke komponiert haben. Viele von ihnen waren gar nicht so weit vom Schicksal derer entfernt, die mit ihrer Musik vertrieben werden sollen. Und manche steckten sogar drin. Die Berliner Verkehrsbetriebe scheuen sich nicht, ihr Vorhaben auch noch in der Vorweihnachtszeit umzusetzen. Die Tageszeitung berichtet, dass bereits auf dem U-Bahnhof Adenauerplatz ein Testlauf begonnen habe. Ich möchte hier nun ein paar Zeilen aus dem Artikel der „Jungen Welt“ vom 14.12.2009 zitieren:

Unter Mitarbeitern von Ladenbetreibern stößt die Aktion auf wenig Gegenliebe. »Klassische Musik ist schön. Wenn man aber acht Stunden arbeitet und dabei den ganzen Tag sich ständig wiederholende Musik hören muß, dann ist das sehr anstrengend«, so eine Angestellte. Nach den Worten von Unternehmenssprecher Klaus Wazlak will der landeseigene Betrieb trotz der Kritik an der Aktion festhalten….

Tatsächlich ist Berlin mit der Lautsprecheraktion Beethoven gegen Bettler und Dvorák gegen Drogenabhängige kein Einzelfall. Bereits in München und Hamburg gehen die Bahnbetreiber in gleicher Weise vor. Im großen Stil hatte die Deutsche Bahn AG im Rahmen ihres Programms »Service, Sicherheit und Sauberkeit« im Jahre 2001 bundesweit die Verdrängung Obdachloser vom Gelände des Unternehmens betrieben….Die »Aufenthaltsqualität« auf den Bahnhöfen sollte unter anderem dadurch erhöht werden, daß der seit über hundert Jahren von den Bahnhofsmissionen erfüllte Auftrag der Betreuung hilfloser Menschen untersagt wurde.

Nun, die Ladenbesitzer und deren Mitarbeiter kümmert es herzlich wenig, dass gerade während der kalten Jahreszeit Menschen aus geschützten Bauwerken vertrieben werden um, wenn denn obdachlos, auf der Straße zu erfrieren. Sie sind nur besorgt um ihren eigenen Nerven. Die Verkehrsbetriebe von Berlin, Hamburg und München, als auch die Deutsche Bahn AG, zeigen sich in ihren Aktionen die von der DB AG so „schön“ unter dem Motto „Service, Sicherheit und SAUBERKEIT“ läuft, wie es sich für „betriebswirtschaftlich“ orientierte Unternehmen gehört. Für sie zählt nur der Euro und um den letzten davon zu bekommen, den sie durch Preiserhöhungen nicht ergattern können, verlieren sie auch gerne den geringen Rest von Menschlichkeit den ihre Bauwerke noch, als Unterschlupf für die „Untersten“ unserer Gesellschaft, hatten. Denn Menschlichkeit macht sich nicht bezahlt und nur das zählt in den Hirnen der Konzernbosse. Ganz besonders zeigt sich dies im Verbot der Tätigkeit für die Mitarbeiter der Bahnhofsmission.

Sie vermissen noch den Bezug zur Überschrift meines Kommentars „Schluss mit dieser Toilettentaktik“? Nun, so ein geschäftspolitisches Verhalten, wie es diese Verkehrsbetriebe offen legen, erinnert mich an eine Toilette. Ein kurzer, angewiderter Blick in die Schüssel und schnell die Spülung gedrückt, damit sich auch ja kein übler Duft breit machen kann. Doch vergessen die meisten, die so handeln, dass in der Schüssel lediglich das Produkt zu finden ist, das man durch das eigene Verhalten (und die eigenen Essgewohnheiten) produziert hat. Und wer letztlich durch seine Geschäftspolitik, unter Vernachlässigung seiner sozialen und menschlichen Verantwortung, Sch…… produziert, der sollte sich nicht wundern wenn es irgendwann stinkt.

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