Kein Kindergeld mehr für dicke Schüler!

AUCH HARTZ-IV-KÜRZUNG IM GESPRÄCH +++ GESUNDHEITS-EXPERTE: HAUSÄRZTE SOLLEN REGELMÄSSIGE GEWICHTSBERATUNGEN MACHEN


so tituliert und gestaltet Stefan Ernst den Aufma­cher für seinen Artikel in der BILD, in dem der Lehrerverbands-Chef Josef Kraus Sanktionen bis hin zu Kürzungen bei Kindergeld und Hartz IV for­dert, für Eltern die ihre Kinder nicht dazu be­wegen können oder wollen, schlank zu bleiben.

Hier der Artikel.

ein Kommentar von Hans-Jürgen Graf

Nürnberg, den 04.Juni.2010

„Jeder zweite erwachsene Deutsche ist überge­wichtig, aber auch immer mehr Kinder und Ju­gendliche“ meint der Autor des Artikels. Allerdings bleibt er uns die Quelle seiner Information schuldig. Wobei ich durchaus bezweifle, dass es möglich ist dies so festzustellen und auch tatsächlich eruiert wurde, was hier behauptet wird. Wiederum werden die Zahlen, wenn überhaupt, nur anhand einer „repräsenta­tiven“ Zahl von befragten und/oder untersuchten Personen erhoben worden sein. Aber sei es drum. Dass wir in Deutschland tatsächlich einen hohen Anteil an übergewichtigen Personen haben, will ich gar nicht bestreiten.

Allerdings in einer derart polemischen Art und Weise wiederum nur allein den Eltern die Schuld zuzuweisen ist eigentlich eine bodenlose Unverschämtheit des Lehrerverbands-Chefs und zeugt vom Ausmass des Ab­standes seines tatsächlichen Wissens über gesundheitliche Probleme und Gegebenheiten dieser Art, zur Realität. Im Großen und Ganzen erscheint einem der Artikel so gestaltet, dass von Kindern als Besitz ihrer Eltern ohne eigene Rechte und Entscheidungsfreiheit die Rede ist. Ein Kind ist ein eigenständiges Wesen und hat einen eigenen Willen. Diesen wirklich zu beeinflussen im Sinne einer Willensbildung hin in eine be­stimmte Richtung ist nicht wirklich möglich. Je älter ein Kind wird, umso eigener bildet sich seine Persön­lichkeit heraus. Natürlich könnte man auch versuchen, Kinder zu konditionieren wie Hunde, aber ich hoffe, dass dies in diesem Artikel, durch die dort erwähnten Aussagen des Präsidenten des Lehrerverbandes, nicht so gemeint ist. Denn eigene Willensbildung ist das sicherlich nicht.

Solche Forderungen, wie sie dieser Pädagoge aufstellt, sind so weltfremd in der heutigen Zeit. Denn heute hat kaum noch jemand von uns wirklich Einfluss darauf, welche Nahrungsmittel, Nahrungsergänzungsmittel und Konservierungsstoffe er zu sich nimmt. Ob diese dann „sauber“ sind oder versetzt mit Zusatzstoffen, die wiederum bis hin zu Hormonen, Einfluss auf unseren Körper haben. Allein Konserven kommen heute schon kaum mehr ohne den Zusatz von Laktose in irgendeiner Form auf den Markt. Gehen Sie mal durch ihren Supermarkt und betrachten Sie sich die Konserven, Backmischungen usw. und lesen die sehr klein gehaltenen Texte mit den Inhaltsstoffen auf den Packungen. Sie werden bei den meisten Zusätze finden wie Laktose, Fructose und Bezeichnungen die Sie vorher noch nie gehört haben. 
Mittlerweile haben Wissenschaftler nachgewiesen, dass Fructose ein Mitverursacher für Übergewicht sein kann und es dafür deutliche Anzeichen gibt. Fructose, vorhanden in Obstsäften, Obst und nicht wenigen Konserven und Fertigprodukten.

HIER ETWAS DAZU

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Sollten Eltern tatsächlich verpflichtet werden, unter Androhung von Wegfall des Kindergeldes und Hartz IV, ihre Kinder dünn zu halten, so werden sie diese wohl ab dem Kindergarten rund um die Uhr begleiten müssen. Denn schon wir haben im Kindergarten unsere Essen getauscht, wenn uns das vom Kumpel besser geschmeckt hat als das eigene. Auf dem Schulweg kommt man an der einen Bäckerei oder dem anderen Imbissstand vorbei und vielleicht hat man doch noch ein paar Kröten in der Tasche? Besonders attraktiv finde ich ja die Vorstellung, die Sprößlinge, so um die 14 oder 15 Jahre alt, sitzen mit ihrer ersten Liebe im Kino und die Stimmung wäre danach sich nun ein klein wenig näher zu kommen. Allerdings sitzt hinter einem die Mutter und sie überwacht mit ganzer, ihr vom Gesetzgeber und dem Lehrerverband auferlegten Akribie, die erlaubte Einnahme von salz- und geschmacklosen Reiskräckern. Während Vati in der vorderen Reihe mit lückenhaften, aber doch noch vorhandenen, Kenntnissen über diverse „Kleinkampfsportarten“ die Verkäufer von Eis und Erdnüssen abwehrt.
Spätestens seit Einführung des SGB II (Hartz IV) scheinen sich viele der Besser- und Bestverdienenden in unserem Lande berufen zu sehen, der Regierung auch die unsinnigsten Vorschläge zu Kürzungen und Streichungen im sozialen Bereich, unterbreiten zu müssen. Und dieser Gedankengang des Lehrerverbandspräsidenten gehört, meiner Meinung nach, dazu. Was bewegt solche Menschen eigentlich dazu? Ist es das jahrelange Verstauben ihrer Persönlichkeit im Nebel der Bedeutungslosigkeit? Oder ist es ein Gedankengut, das sich seit spätestens fünf Jahren immer deutlicher aus der Gedankenwelt des Kapitals und sogenannter „Eliten“ hervor drängt? Denn wie hieß es schon mal?

Hart wie Kruppstahl, zäh wie Leder und flink wie Windhunde

Nun, das wollen wir aber nun doch nicht glauben, dass jemand noch diese Gedanken in der heutigen Zeit in seinem Oberstübchen hütet, oder? Wir möchten es glauben und tun es. Ob es so ist, wird sich zeigen. Allerdings sollten Sie, geneigter Leser, vielleicht doch einmal genauer in den Regalen ihrer Discounter und anderen Lebensmittelläden schauen und lesen. Recherchieren Sie dann doch mal im Internet oder der Literatur nach den Inhaltsstoffen in der Nahrung und ihre Wirkung auf den menschlichen Organismus (besonders wenn diese häufiger zu sich genommen werden) und möglicherweise werden Sie erkennen, dass es heute nicht mehr einfach ist sein Gewicht zu halten oder zu verringern, auch wenn man sich vermeintlich doch gesund ernährt. Hier solche Forderungen in den Raum zu stellen ist absurd und vielleicht nur dann umsetzbar, wenn „Eltern“ ein Vollzeitberuf wird mit entsprechender Zahlung eines qualifizierten Gehaltes.

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