Armut und Gefahren: „Der Staat sät Gewalt und Hoffnungslosigkeit“

Armut und Gefahren: „Der Staat sät Gewalt und Hoffnungslosigkeit“

Von Volker M.* (*Name von der Redaktion geändert) und Andreas Klamm

Berlin. An vielen Orten und zu vielen Anlässen wird in diesen Tagen der 60. Jahrestag über die Einführung des Grundgesetzes in Deutschland gefeiert. Meist werden dabei wohlklingende Reden gehalten und wo man „feste arbeitet, da werden auch große Feste gefeiert“. Nach den Reden knallen die Sekt-Korken und man gönnt sich nach vielen Worten, einen Imbiss, eine erlesene Portion Kaviar und etwas Hummer.

Oft haben nur finanziell und wirtschaftlich besser gestellte Menschen, mit mehr oder weniger großen Reichtum, die politische Prominenz und Wirtschafts-Funktionäre mit Millionen-Euro-Abfindungen, die Möglichkeit an den Feierlichkeiten zum 60. Jahrestag des Grundgesetzes teilzunehmen.

In den Fernseh-Shows „60 Jahre Grundgesetz“ werden überwältigende Bilder aus Deutschland auf den Satelliten-Kanälen der Fernseh-Sender in Deutschland gezeigt, so dass sich wieder andere Menschen in Pakistan, Jordanien, Indien und sogar Menschen in den Vereinigten Staaten von Amerika in den Tagen der globalen Welt-Wirtschaftskrise fragen: „Wie machen die Deutschen das nur? Menschen in aller Welt leiden und die Deutschen feiern. In den U.S.A. und in vielen Teilen der Welt verlieren Menschen in der Folge der Welt-Wirtschafts-Krise alles Hab und Gut, ihre Häuser, Menschen sterben täglich an den Folgen des Hungers und fehlender medizinischen Versorgung und die Deutschen feiern und feiern, fressen und saufen sich immer öfters ins Koma. Wie geht das?“

Doch die ungläubigen Gesichter der Zuschauer der gut initiierten Fernseh-Shows scheinen dabei ganz offensichtlich zu vergessen, dass in diesen Shows mit Prunk, Glanz und Sternchen, nur ein winzig kleiner Teil-Ausschnitt des wahren Lebens in Deutschland zu sehen ist.

Eigentlich müsste es jeder wissen: Jeder stellt sich immer ganz gerne „perfekt ohne Fehl und Tadel dar…“, doch die Menschen, die sich noch nicht selbst belügen, kennen die Wahrheit, dass kein Mensch und kein Land ohne Fehler ist.

Während einige Zuschauer, mit ersten Reise-Wünsche nach Deutschland, immer noch zweifelnd die Bilder der großen deutschen Fernseh-Shows sehen und glauben „Bilder vom Paradies, Deutschland“ zu sehen, erinnern sich einige kritische Zuschauer, „Show“ ein Wort aus der englischen Sprache steht doch in der Übersetzung in die deutsche Sprache nur für „Schauspiel – ein wahrlich gut gelungenes Schauspiel“ – so das Lob an die Produzenten der prächtigen deutschen Fernseh-Shows, die nicht selten auch an Disney´s „Wonderland“ – meint in deutscher Sprache „Wunderland“ – erinnern mögen.

Der Traum von „Deutschland, das Wunderland“ wird mit Aussagen namhafter Experten bekräftigt, die vor dem Deutschen Bundestag und vor laufenden Fernseh-Kameras der Welt-Medien in Interviews versichern: „In Deutschland gibt es keine Armut und wer keinen Arbeitsplatz hat, ist nur ein fauler „Sozial-Schmarotzer“ oder „Parasit“, der den deutschen Staat ausbeuten will.“ im politischen Fach-Deutsch.

Die Realität kann immer öfters anders betrachtet werden

Für nahezu 20 Millionen Menschen, die in schwerer Armut in Deutschland leben, davon betroffen auch viele Hartz 4- Empfänger, gibt es in der harten und realen Welt, die in deutschen Medien üblicherweise nicht gezeigt wird, keine einzige Chance der Teilhabe an den Feiern des Jahrestages des Grundgesetzes.

Einigen der betroffenen Menschen schwerster finanzieller, wirtschaftlicher und sozialer Not erscheint es sehr, oft als habe die reiche Elite einer Oberschicht von Menschen mit finanziellen und wirtschaftlichem Reichtum, irgendwann einmal im Jahr 2005 beschlossen, dass das Grundgesetz und allgemeine Menschenrechte garantiert in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen (United Nations, UN, www.un.org), für Menschen, die arm, krank, behindert oder aus sonstigen Gründen unverschuldet in, einigen Situationen vielleicht auch verschuldet, in schwerste Not geraten sind, schon seit Jahren nicht mehr gültig ist.

Immer wieder beschreiben die betroffenen Menschen ihre Not-Situationen, die oft so schlimm sind, dass es auch langjährigen erfahrenen Journalisten und Experten, das meint im konkreten Beispiel, Sozialarbeitern, schwer fällt die Geschichten der Menschen zu glauben, die diese Menschen erzählen.

Oft werden arme und kranke Menschen von prominenten politischen Spitzen-Vertretern als Bedrohung für Staat und Gesellschaft dargestellt. Viele Menschen erinnern sich noch an die Worte von Wolfgang Clement, der vor einigen Jahren in allen Hartz 4- Empängern, keine Menschen sah, sondern „Sozialschmarotzer“ und „Parasiten“, die es üblicherweise zu vernichten gilt.

Mit dem verbalen Statement im Beispiel eines Spitzen-Politikers wurde tatsächlich mehreren Millionen Menschen in Deutschland jede Form der Menschen-Würde geraubt, da „Sozialschmarotzer“ in der von dem ehemaligen Minister beschriebenen Form als „Parasiten“ bezeichnet, keine Menschen mit Menschenrechten und der Würde des Menschen sind, sondern vielmehr in der Regel mit Insekten-Vernichtungs-Mittel vergiftet und entsorgt werden.

Damals wagte es sich eine kleine Gruppe von Menschen, die mit Unrecht und falsch als „Parasiten“ bezeichnet wurden, mit politischem Protest zu regen und der Minister verlor zumindest sein politisches Amt, nicht etwa den Reichtum.

Einige Menschen in Deutschland kennen viele Dinge aus den historischen Überlieferungen und den Zeugen-Berichten der Ereignisse in der deutschen Diktatur in den Jahren 1933 bis 1945. Immerhin hatte die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiter-Partei (NSDAP) dem gesamten jüdischen Volk, doch nicht nur dem jüdischen Volk, generell das Mensch-Sein und damit jede Würde des Menschen abgesprochen, sondern auch alle kranken und behinderten Menschen, die als so genanntes „lebensunwertes Leben“ in deutschen Konzentrations-Lagern ermordet und vernichtet wurden mit Gas.

Kurz nach dem Zusammenbruch des Welt-Wirtschaft-Systems im Jahr 1929 und der folgenden Welt-Wirtschafts-Krise war offenbar nicht nur die NSDAP auf der Suche nach einem Sünden-Bock und man hatte diesen „Sünden-Bock“ im gesamten jüdischen Volk und in allen Menschen gefunden, die als arme, kranke und behinderte Menschen ohne Hilfe und Schutz waren und sich damit gegen die systematische Vernichtungs-Maschine der Nationalsozialisten in Deutschland in den Jahren 1933 bis 1945 nicht wehren konnten.

Nach dem die Zahl von Menschen auch mit akademischen und Universitäts-Abschlüssen stetig steigt, die keinen Arbeitsplatz mit einem Menschen-würdigen Erwerbs-Einkommen finden können, wird die Kritik an einem System, das offenbar die Würde des Menschen in vielen Form gänzlich verachtet, präziser, deutlicher und offener.

Nicht wenige Hartz 4-Empfänger beschreiben inzwischen auch ohne ein Universitäts-Diplom, dass diese Zusammenhänge mit der Welt-Wirtschafts-Krise im Jahr 2009 sehen und den Verleumdungs-Kampagnen gegen arme, kranke und behinderte Menschen und gegen Menschen, die bei allen Anstrengungen keinen Arbeitsplatz mit einem geregelten Erwerbs-Einkommen finden können, weil es diese Arbeits-Plätze mit einer Bezahlung bei täglichen, offiziellen Meldungen von Massen-Entlassungen in Deutschland definitiv nicht mehr gibt.

Einige betroffene Menschen machen darauf aufmerksam, dass es in Deutschland keinen einzigen Menschen ohne Arbeit gibt, denn Arbeit sei reichlich vorhanden, nur kein Staat und kein Unternehmen, die auch bereit wären für die geleistete Arbeit von Menschen ein Menschen-würdiges Einkommen zu bezahlen, von dem auch noch ein Mensch mit seiner Familie leben könne.

Viele Menschen betrachten die jüngsten Ereignisse kritisch hinterfragend: „Opel, Porsche, Märklin und viele andere Unternehmen stehen bei der Regierung in Berlin Schlange und betteln um Milliarden von Euro, während Millionen von Menschen ohne einen einzigen Cent in Deutschland leben und überleben sollen, wollen oder auch müssen.

Was besonders verärgert, ist die Situation, dass wenn Milliarden-Kredite gewährt werden auf Kosten aller Steuer-Zahler, Groß-Unternehmer dennoch nicht bereit sind, die Schaffung und den Erhalt von Arbeitsplätzen zu garantieren und zu gewährleisten.“

Diese deutliche Kritik ist ein Beispiel von vielen. In den Main-Stream-Medien sind solche Formen offener Kritik, oft auch verzweifelter Menschen nicht zu hören, nicht zu lesen und nicht zu sehen.

Das führt inzwischen auch dazu, dass viele Menschen offen über eine möglicherweise stattgefundene „Gleichschaltung der Medien“ in Deutschland diskutieren. Das hätten die Nationalsozialisten in den Jahren 1933 bis 1945 mit der Arbeit des Reichs-Propaganda-Ministeriums nicht anders gemacht, kritisiert eine Frau, die seit drei Jahren ohne Erwerbs-Einkommen in Deutschland lebt.

Viele Menschen fühlen sich, wie auf einem Abstellgleis „entsorgt“, auf einem „Abstellgleis Hartz 4 – die Unberührbaren der Nation“, wie es der in Nürnberg lebende Autor von drei Büchern, Hans-Jürgen Graf in seinem Buch mit dem gleichnamigen Titel beschreibt.

Da die Redaktion von MJB Mission News ( ISSN 1999-8414 ) als kleines und internationales Medien-Netzwerk kein Teil der großen Medien-Giganten ist, die möglicherweise „gleich geschaltet“ sind, veröffentlichen wir heute einen persönlichen Erlebnis- und Erfahrungs-Bericht von Volker M.* (*Name wurde von der Redaktion geändert).

Der Autor ist 53 Jahre und seit seinem 50. Geburtstag erlebt er Dinge in schwerer Armut in Deutschland, die sich so richtig kaum ein Leser oder eine Leserin richtig vorzustellen vermag.


Armut und Gefahren:

„Der Staat sät Gewalt und Hoffnungslosigkeit“

Von Volker M.* (Name von der Redaktion geändert)

Sei der Einführung von Hartz IV können wir es alle deutlich sehen, voraus gesetzt, wir geben uns die Mühe, mit offenen Augen unser soziales Umfeld wahr zu nehmen.

Die uns aufgezwungene neue Armut wird überall sichtbar, in den Gesichtern der Menschen, in ihren zwischenmenschlichen Verhaltensweisen, in der Perspektive-Losigkeit ihrer Kinder.

Oftmals bin ich einfach nur entsetzt darüber, wie schnell die Chancen- und Mutlosigkeit-Losigkeit der Betroffenen sich in Aggressionen ausdrückt, die sich hemmungslos im sozialen Umfeld entladen. Ich erlebe es tagtäglich.

Wer keine gefestigte Persönlichkeits-Struktur besitzt, wird krank an Leib und Seele, zerbricht an der Hilflosigkeit, zieht sich in sich selbst zurück und erlebt sich als klein und in keiner Weise mehr als ein Menschen mit Würde geachtet.

Alkohol, Drogen und verlorene Bindungen zerstören den Rest einer Persönlichkeit, die unter solchen Einflüssen keine Kraft mehr besitzt, sich in unserer Gesellschaft positiv einzubringen.

Kinder, die in solchen Verhältnissen aufwachsen, erleben schon in frühen Jahren ihre Ausgrenzung, irren ohne jede Form einer Struktur durch ihre Entwicklung. Ja, sie haben und finden keine Wurzeln mehr, werden nicht mehr geliebt und werden somit auch ihrer Fähigkeit beraubt, selbst lieben zu können.

Die ethischen Grundlagen für eine funktionierende Gesellschaft verkümmern, weil sie nicht mehr vermittelt werden.

Mit 53 Jahren an Lebens-Erfahrung weiß ich worüber ich rede und schreibe, da ich seit mehreren Jahren immer wieder für jugendliche Heranwachsenden arbeiten konnte.

Was ich in dieser Zeit mitbekommen, erlebt und gesehen habe, ist einfach nur erschreckend.

Seit der Einführung von Hartz IV bin ich auch zum sogenannten ALG II-Empfänger geworden und werde möglicherweise mit dieser Tatsache bis zu meiner Rente zurechtkommen müssen.

Danach werde ich an der Altersarmut zerbrechen und irgendwann in einem Pflegeheim ohne die Garantie auf die Einhaltung der Menschenwürde sterben. Seit meinem 50. Lebensjahr ist mir diese Tatsache so eindringlich bewusst geworden, ein Erkennen, das in seiner Tragweite schon dazu führt, das nicht nur ich als Mensch, sondern auch viele weitere Menschen der Menschenwürde beraubt werden, die feierlich in diesen Tagen zum 60. Jahres-Tag der Einführung des Grundgesetzes von politischer Prominenz immer wieder so gerne zitiert, doch im wahren Leben in den Siedlungen, in denen in den Großstädten die Not schon sehr laut zum Himmel schreit, nicht eingehalten werden.

Wenn ich mitbekomme, dass in der Politik die Kürzung sozialer Regel-Leistungen angedacht wird, weigert sich mein Verstand, diese fortschreitende Menschen-Verachtung einer verantwortlichen Minderheit als real anzusehen.

Zudem verweigere ich mich dem Erkennen, dass es anscheinend keine staatliche Kraft gibt, die diesem Wahnsinn Einhalt gebietet.

Der gefährliche Zynismus dabei ist die Tatsache, dass die finanziellen Grundlagen für ein würdevolles Leben der Menschen weltweit vorhanden sind. Sie werden nur nicht gerecht verteilt.

Eine solche Entwicklung führt zwangsläufig in ein Chaos von Gewalt und Gegengewalt.

Die Gewalt, die von den verzweifelten Menschen ausgehen wird, denen man alle Grundrechte und die Würde des Menschen geraubt und vernichtet hat, könnte unser zukünftiges Leben aller Menschen drastisch verändern.

Die Katastrophe, die damit künstlich geschaffen wird, wird damit zu einer ganz realen Bedrohung für alle Menschen, ungeachtet dessen, ob diese Menschen in schwerster Armut leben, die sich kaum ein Mensch so richtig vorzustellen vermag oder ob diese Menschen als prominente Persönlichkeiten sich in den Medien feiern lassen, ein Leben führen wie die Maden im Speck und ausgelassen Party feiern, während hilflose Kinder, Frauen und behinderte Männer in deutschen Klein- und Groß-Städten verhungern.


Hinweis der Redaktion und von Andreas Klamm, Journalist

Da in den Redaktionen von MJB Mission News ( ISSN 1999-8414 ) in Paris, in London und auch in Deutschland nicht nur die Auszüge solcher Erfahrungs-Berichte von Menschen zugesendet wurden, die Leistungen nach Hartz 4 bzw. Arbeitslosengeld II (ALG II) erhalten, sondern auch die Hinweise gemacht wurden, dass Menschen, die versuchen sich an Medien oder an die nationale und internationale Öffentlichkeit zu wenden mit der Verfolgung und Bestrafungs-Aktionen durch die so genannten, meist privat-wirtschaftlich organisierten ARGEN (Arbeitsgemeinschaften von Bund, Länder, Städte, Kommunen und weiterer privatwirtschaftlicher Kooperations-Partner) bis hin zur kompletten Sperrung aller sozialen und medizinischen Leistungen rechnen müssen, für die Situation, dass diese Hilfe bei nationalen und internationalen Medien suchen, wurde der Original-Name des 53jährigen Autors des Erfahrungs-Berichtes über ein Leben mit Hartz 4 von dem Autor und der Redaktion geändert.

Wir betrachten diese Maßnahme als eine inzwischen notwendige Schutz-Maßnahme von Informanten und Quellen, für wahre Berichte in einer schweren sozialen Krise, die sonst einer erheblichen Gefahr für Leib, Leben, Seele und Gesundheit ohne jede Form des möglichen Schutzes ausgesetzt wären.

27. Mai 2007, MJB Mission News ( ISSN 1999-8414, www.radiotvinfo.org ) in Kooperation mit Liberty and Peace NOW! Human Rights Reporters, internationales Medien-Projekt für Menschenrechte ( www.libertyandpeacenow-online.de.be )

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